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Brain-Blash#16: Flüssigkeitsbeatmung mit PFC

Warum schwimmen die Zwerge im Labor im Spielbuch „Zwergberg-Memento Mori“ in dieser Flüssigkeit? (Taschenbuchausgabe, Zwergberg: Memento Mori, S.23):

 

»Siehst du die Zwerge dort oben in den Bottichen?«, erwidert der Professor.

»Ja, was ist mit ihnen? Warum sind die da drin und warum haben die überall Beulen?«

»Die Zwerge sind krank. Sie sind mit einem tödlichen Virus infiziert. Ich versuche ein Gegenmittel zu finden.«

»Sind sie tot?«

»Nein, keine Sorge! Sie schwimmen in einer speziellen Flüssigkeit, in Perfluorcarbon

»Aber dann ertrinken sie doch.« 

»Nein, tun sie nicht. In dieser Flüssigkeit ist besonders viel Sauerstoff gelöst, viel mehr als in der Luft. Darin können sie völlig normal atmen.«

»Verstehe, aber wieso sind sie da drin?«

»Das Virus greift nicht nur ihre Haut an, es zerstört auch ihr Lungengewebe. Durch die Flüssigkeitsbeatmung kann ich die Krankheit zwar nicht beseitigen, aber zumindest ausbremsen, hoffentlich so lange, bis ich ein wirksames Medikament, vielleicht sogar einen Impfstoff, gefunden habe. So, genug geredet, ich muss wieder in den Berg. Komm, Tschup, hilf mir, die da oben abzulenken. Mich darf keiner sehen, wenn ich durchs Haus nach draußen laufe.«

 

Perfluorcarbon (PFC) ist eine mit Fluor vollständig bestückte Kohlenstoffverbindung. Es enthält keinen Wasserstoff mehr und lässt sich stärker als Luft mit Sauerstoff anreichern (1). Durch seine Eigenschaft, sich leicht auf Oberflächen auszubreiten, findet es in der Medizin bei der sogenannten Flüssigkeitsbeatmung Anwendung. Die ersten Experimente dazu fanden bereits in den 60er Jahren in Tierversuchen statt. Die Fachwelt staunte damals nicht schlecht, als eine Maus, die unterhalb der Wasseroberfläche eines PFC-Gemisches schwamm, nicht ertrank und über die Flüssigkeit völlig normal atmen konnte. Seit den 90er Jahren erfolgt die Erprobung am Menschen. An der Berliner Charité konnte im Jahr 2000 erstmalig der erste erwachsene Patient mit einem schweren Lungenversagen mit Hilfe der partiellen Flüssigkeitsbeatmung gerettet werden (2, 5). Und was bewirkt PFC? Durch PFC wird die Oberflächenspannung in der Lunge herabgesetzt, wodurch bei schweren Lungenerkrankungen ein Lungenkollaps verhindert werden kann (3, 4). Die Anzahl der Areale, die wieder am Gasaustausch beteiligt sind, wird dadurch erhöht. Es gibt bereits verschiedene Ansätze von Flüssigkeitsbeatmung. Unterschieden werden Methoden mit partieller und vollständiger Flüssigkeitsbetamung. Darüber hinaus gibt es Verfahren mit Dampf- oder Aerosolbetamung. Interessant scheint auch ein Aspekt beim Tauchen zu sein. Durch die Atmung der Flüssigkeit könnten eventuell bekannte Druckprobleme gelöst werden. 

Deshalb also schwimmen die Zwerge im Labor in dieser Flüssigkeit. Krasses Zeug, dieses PFC, oder?

 

 

Das Spielbuch "Zwergberg: Memento Mori" ist als Taschenbuch bei Amazon erhältlich.

Die Premium-Version im DinA5-Format gibt es bei Bod.

 

Quellen:

(1) https://flexikon.doccheck.com/de/Perfluorcarbon

(2) https://www.aerzteblatt.de/archiv/26197/Akutes-Lungenversagen-Hilfe-durch-partielle-Fluessigkeitsbeatmung

(3) Flüssigkeitsventilation mit Perfluorcarbonen, Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 1996; 31(8): 461-469 DOI: 10.1055/s-2007-995960

(4) Akutes Lungenversagen: Hilfe durch partielle Flüssigkeitsbeatmung Dtsch Arztebl 2001; 98(9): A-497 / B-400 / C-377

(5) https://www.innovations-report.de/fachgebiete/medizin-gesundheit/bericht-965/

 

Foto: Pixabay