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Das Savant-Syndrom

Lesen bildet, na logisch, auch im Spielbuch „Zwergberg“ geht’s über abgefahrene Dinge aus der Wissenschaft. Zum Beispiel über die „Besonderheit“ von deinem Bruder Tim. Tim ist Autist und er hat eine Inselbegabung. Doch was ist das überhaupt eine „Inselbegabung“? Das „Savant-Syndrom“ oder die „Inselbegabung“ beschreibt ein Phänomen, bei dem die Menschen eine außerordentliche geniale Begabung auf bestimmten spezialisierten Teilgebieten besitzen. So brillieren sie durch ein photographisches Gedächtnis, durch überragende Rechenfähigkeiten oder durch besondere künstlerische Fertigkeiten. Die mathematisch begabten Savants können unglaublich schnell rechnen. Hier scheinen besondere Vorlieben beim Kalenderrechnen oder auch bei Primzahlen zu liegen. Man vermutet, dass durch synästhetische Hirn-Verknüpfungen, also durch die Kopplung unterschiedlicher Sinneswahrnehmungen, entsprechende Fertigkeiten möglich sind. 

Trotz ihrer herausragenden Fähigkeiten besitzen aber nicht wenige Inselbegabte schwere Defizite in der Verrichtung des Alltags und sind dadurch auf Fremdhilfe angewiesen. Offensichtlich liegen diese Defizite in einer Schädigung der linken Hirnhälfte begründet, wohingegen die Talente überwiegend aus dem Bereich der rechten Hemisphäre hervorgehen. Mittlerweile sind ungefähr hundert Savants beschrieben, von denen ungefähr die Hälfte Autisten sind. Und wie steht es mit der Intelligenz? Der Intelligenzquotient der bekannten Savants liegt zwischen 40 und 70 Prozent, wobei aber auch einige normal bis überdurchschnittlich intelligent sind.

Interessant ist der Aspekt, dass sich Inselbegabungen auch erst spät im Alter manifestieren können. Beispielsweise nach durchgemachten Erkrankungen, Unfällen oder gar bei Demenzkranken. Bei all diesen Vorgängen scheint ebenfalls eine Schädigung der linken Hirnhälfte vorzuliegen, wodurch die gegenüberliegende Seite durch Überkompensation entsprechende Eigenschaften exprimieren konnte. 

Verständlicherweise schöpft die Wissenschaft Hoffnung, derartige Inselbegabungen anzuzapfen. Ich bin gespannt, welche Erkenntnisse die Forscher zu diesem Thema noch zutage bringen werden. Zwerg ahoi!